Innenentwicklung / Bauen und Sanieren im Ortskern

Neues Leben für die Ortsmitten der Mosel

Die historischen Ortskerne mit ihren Winzerhäusern, Höfen, Fachwerkgebäuden, Bruchsteinfassaden, Gassen und Plätzen prägen das unverwechselbare Bild des Moseltals. Viele dieser Gebäude erzählen die Geschichte der Region und bieten gleichzeitig Raum für zeitgemäßes Wohnen, Arbeiten und Leben.

Wo Gebäude leer stehen oder nur noch teilweise genutzt werden, gehen jedoch nach und nach Wohnraum, Baukultur und Lebendigkeit verloren.

Umso wichtiger ist es, bestehende Häuser neu zu entdecken, weiterzuentwickeln und wieder mit Leben zu füllen.

Die sogenannte Innenentwicklung verfolgt das Ziel, vorhandene Gebäude, Grundstücke und Flächen innerhalb der Orte besser zu nutzen, bevor neue Bauflächen am Ortsrand entstehen.

Was bedeutet Innenentwicklung?

Innenentwicklung kann viele Formen annehmen:

  • leerstehende Wohnhäuser sanieren und wieder nutzen
  • ehemalige Wirtschafts- oder Nebengebäude umbauen
  • Baulücken im Ortskern behutsam schließen
  • große Gebäude in mehrere Wohneinheiten aufteilen
  • barrierearmen Wohnraum schaffen
  • Wohnen, Arbeiten, Handwerk oder Tourismus miteinander verbinden
  • Höfe, Plätze und innerörtliche Freiflächen aufwerten
  • historische Bausubstanz durch moderne Anbauten ergänzen

Dabei geht es nicht darum, jeden Altbau unverändert zu erhalten. Vielmehr sollen bestehende Qualitäten erkannt und mit heutigen Anforderungen an Wohnen, Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Nutzungskomfort verbunden werden.

Warum ist Innenentwicklung an der Mosel besonders wichtig?

Die Moselorte werden nicht allein durch einzelne Baudenkmäler geprägt. Ihre besondere Wirkung entsteht durch das Zusammenspiel von Gebäuden, Höfen, Mauern, Gassen, Plätzen, Weinbergen und Landschaft.

Ein leerstehendes oder verfallendes Gebäude betrifft deshalb nicht nur den jeweiligen Eigentümer. Es kann das Erscheinungsbild einer ganzen Straße oder eines Ortskerns beeinflussen. Umgekehrt kann die gelungene Sanierung eines Hauses wichtige Impulse für die Umgebung setzen.

Bauen und Sanieren im Ortskern trägt dazu bei,

  • moseltypische Architektur und regionale Identität zu erhalten,
  • vorhandenen Wohnraum wieder nutzbar zu machen,
  • kurze Wege und lebendige Nachbarschaften zu fördern,
  • vorhandene Straßen, Leitungen und Einrichtungen effizient zu nutzen,
  • zusätzliche Flächenversiegelung zu vermeiden,
  • regionale Handwerksbetriebe zu stärken und
  • die Ortskerne als Wohn-, Arbeits- und Begegnungsorte weiterzuentwickeln.

Welche Chancen bietet ein Gebäude im Ortskern?

Historische Gebäude bieten häufig mehr Möglichkeiten, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Aus einem ehemaligen Winzerhaus kann ein modernes Familienwohnhaus entstehen. Große Gebäude können Platz für mehrere Generationen oder kleinere Wohnungen bieten.

Frühere Scheunen, Werkstätten oder Ladenlokale lassen sich teilweise für Wohnen, Handwerk, Dienstleistungen oder touristische Angebote umnutzen.
Wichtig ist, frühzeitig zu klären, welche Nutzung zum Gebäude, zum Grundstück und zur Umgebung passt.

Vom Leerstand zum neuen Zuhause

Gebäude und Grundstück kennenlernen

Vor einer Kauf- oder Investitionsentscheidung sollten Bauzustand, bisherige Nutzung, Grundstückssituation und mögliche Belastungen untersucht werden.

Planungsrecht klären

Bebauungspläne, Gestaltungssatzungen, Denkmalschutz, Hochwasser- oder Starkregenrisiken und die zulässige Nutzung können die Möglichkeiten eines Vorhabens beeinflussen.

Fachkundige Beratung nutzen

Architekten, Bauingenieure, Energieberater, Denkmalpfleger und erfahrene Handwerksbetriebe können dabei helfen, die Potenziale eines Gebäudes realistisch einzuschätzen.

Nutzung und Finanzierung zusammendenken

Eine gute Nutzungsidee sollte zur Gebäudestruktur und zum finanziellen Rahmen passen. Förderprogramme können die Umsetzung unterstützen, ersetzen aber keine sorgfältige Kostenplanung.

Baukultur weiterentwickeln

Historische Materialien und Bauformen können bewahrt und zugleich zeitgemäß ergänzt werden. Gute Lösungen entstehen dort, wo Alt und Neu nicht miteinander konkurrieren, sondern sich gegenseitig stärken.
Weiterführende Informationen finden Sie in den Bereichen Planung und Genehmigung, Denkmalschutz und Denkmalpflege, Checklisten, Baukosten und Fördermöglichkeiten.

Das Projekt „Starke Kerne – Starke Region“

Der Landkreis Bernkastel-Wittlich stärkt mit dem Projekt „Starke Kerne – Starke Region“ gezielt die Innenentwicklung seiner Städte und Gemeinden.
Viele Orte stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Gebäude werden nicht mehr vollständig genutzt, Häuser stehen leer, Eigentumsverhältnisse sind ungeklärt oder notwendige Sanierungen erscheinen zu aufwendig. Gleichzeitig besteht weiterhin Bedarf an zeitgemäßem und bezahlbarem Wohnraum.
Das Projekt möchte Kommunen, Eigentümer und Bauinteressierte dabei unterstützen, vorhandene Potenziale zu erkennen und neue Perspektiven für Gebäude und Flächen im Ortskern zu entwickeln.

Geplant sind unter anderem:

  • ein digitales Innenentwicklungskataster,
  • die Erfassung von Leerständen, Baulücken und weiteren Entwicklungspotenzialen,
  • gute Beispiele für gelungene Sanierungen und Umnutzungen,
  • Beratungs- und Informationsangebote,
  • die exemplarische Betrachtung ausgewählter Ortsbereiche,
  • Hilfen bei der Entwicklung von Nutzungsideen,
  • Hinweise auf Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie
  • der Austausch mit Planern, Architekten, Handwerksbetrieben und weiteren Fachleuten.

Das Projekt wird gefördert aus dem Programm „RegioStrat – Strategische Regionalentwicklung“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).